Dienstag, 4. Oktober 2016

Vom Raucher zum Halbmarathon

Ist es tatsächlich schon ein ganzes Jahr her? Ein ganzes Jahr Nichtraucher und auch ein ganzes Jahr aktiver Läufer. Als ich mich vor einem Jahr (mal wieder) dazu entschlossen hatte nicht zu rauchen war das Laufen für mich nur ein Mittel zum Zweck. Ich wollte mich ablenken und vor allem wollte ich nicht schon wieder Nichtraucherkilos mit mir rumschleppen. Mein Mann sagt zwar, lieber dick, als total verpestet, aber ich fühle mich einfach unwohl wenn ich ne Wampe mit mir rumschleppe.
Aus dem Mittel zum Zweck entwickelte sich ganz schnell aktive Begeisterung und echte Leidenschaft für das Laufen. Wenn man sich dann mal ernsthaft mit dem Thema Laufen auseinandersetzt, stellt man fest, dass ein guter Läufer generell gestärkt und fit sein sollte, um diversen Verletzungen einfach vorzubeugen. Also kamen dann auch ganz schnell Kraft- und Stabilisationstraining dazu. Mehrmals die Woche aktiv zu sein, nahezu täglich Sport zu machen gehörte jetzt einfach zu meinem Leben dazu. Und ich liebe es. Na gut, ich liebe es nicht immer. Aber dann, wenn ich es dennoch durchgezogen habe, fühle ich mich super und all der Unmut ist verflogen. Aber diese Momente, dass ich keinen Sport machen möchte sind selten. Eigentlich muss ich mich nicht motivieren Sport zu machen. Das Schöne ist, ich kann mir aussuchen, ob ich laufen, Fahrrad/Rennrad fahren, Schwimmen oder ein paar Gewichte im Studio stemmen möchte. 
Anfänglich wurden mir schon ein paar Steine in den Weg gelegt, in Form von der ein oder anderen Verletzung. Aber (und auch wenn ich die Astronomie nicht sooo ernst nehme) ich bin ein Steinbock und steinige Wege sind mir bekannt. Zudem besitze ich enorm viel Ehrgeiz, habe ich einmal Feuer gefangen. Und wenn mir etwas schwierig erscheint oder ich an mir zweifle, dann sage ich mir immer: "Wer will, der kann!" Daran glaube und halte ich fest. Mein Mantra. Wer will, der kann. Wer will, der kann...
Aber was genau will ich denn? Nun erst einmal will ich dran bleiben. Ich möchte mein aktives Leben weiterführen und weiter entwickeln. Ich kann Menschen nicht verstehen, die immer davon träumen oder schwärmen irgendwo faul rum zu liegen. Nichts zu tun. Blöd fern zu sehen. Wie kann das einen glücklich machen?
Wenn ich laufe, freue ich mich immer über all die Menschen die ebenfalls die Laufschuhe geschnürt haben. Und es werden immer mehr. Immer mehr Leute gehen endlich raus und laufen einfach. Ist doch gar nicht so schwer. Es beginnt mit dem ersten Schritt. 
Ich hätte auch nie gedacht, dass ich mal so ein begeisterter Läufer werden würde. Denn ja, ich fand Laufen einfach furchtbar. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass diese Schmerzen jemals besser werden würden. Aber sie wurden besser und lösten sich auf. Bereits nach wenigen Wochen spürte ich wie mein Körper plötzlich ganz anders mit dieser Belastung umging. Und das obwohl ich so lange Raucher war. Von da an war es um mich geschehen. Laufliebe!!!
Mittlerweile hat sich zum Laufen auch noch das Rennrad fahren gesellt. Fahrrad bin ich ja auch schon zu Raucherzeiten gefahren und hatte bereits geplant mir irgendwann ein Rennrad zuzulegen. Letzte Weihnachten bekam ich dann endlich eins geschenkt. Nun...und wenn man dann so läuft und Rennrad fährt denkt man sich irgendwann, dass man ja eigentlich auch mal einen Triathlon versuchen könnte. Und heyyy, da gibt es sogar so kurze Distanzen, dass auch normal Sterbliche das schaffen können. Dieses Jahr hab ich mich noch nicht getraut, dafür hatte ich einfach zu wenig Training. Ich bin auch, zugegeben, ein echter Trainingsplanmuffel. Doch nächstes Jahr möchte ich dann den ersten Triathlon wagen. Ich bin jetzt schon aufgeregt.
Ob ich jemals einen Marathon laufen werde? Also Marathon...hui, das ist echt hart. Als normal Sterblicher läufst du ja zwischen 4 und 5 Stunden. Am Stück. Mach das mal. Vielleicht werde ich es irgendwann einmal versuchen. Aber bisher reichen mir die 21 km völlig. Aber sage niemals nie. 
Ich feiere mich. Ein Jahr nicht geraucht. Yay! Ja klar, rauchen ist ganz nett, wenn man sich langweilt. Man ist ein Sklave des Qualms. Der Glimmstengel hat dich und dein Leben unter Kontrolle (von wenigen Ausnahmen mal abgesehen). Als Ex-Raucher wird die Sucht leider auch immer irgendwo in einer dunklen Ecke sitzen und auf eine gute Gelegenheit warten. Dessen sollte man sich bewusst sein. Wie viele haben nach jahrelanger Abstinenz wieder angefangen?! Zu denen ich leider auch zähle. Als ich bereits vier Jahre ein NR war, wurde ich in dieser Zeit zwei mal rückfällig. Aber auch hier gilt Wer will, der kann . Es scheint ganz einfach zu sein. Ist es auch, wenn man es denn auch will. ;-)
Ach ja (seufz) ich will... ja und ich will laufen. Ich will die ruhigen Waldwege entlang laufen, die feuchte Erde, das Laub riechen, den Wind in den Bäumen rascheln hören. Die Sonne auf meiner Haut spüren. Oder den Wind, wie er mich kühlt und wieder auflädt. Den Asphalt unter meinen Füßen. Tapp, Tapp, Tapp. Mich kurz ins Gras setzen und tief einatmen und entspannen. Wenn ich draußen bin und laufe, wahlweise auch Rennrad fahre, dann fühle ich mich glücklich. Danke Körper, dass du so wunderbar funktionierst.
A pro pos funktionieren. Am 3.10.16, also gestern, bin ich meinen ersten offiziellen Halbmarathon gelaufen. Eigentlich wollte ich kneifen und erst nächstes Jahr im März den ersten laufen, doch irgendwie ergab es sich, dass ich mich doch noch anmelden konnte und so lief ich also gestern meine ersten offiziellen 21 Kilometer. Ich war innerlich ganz schön aufgewühlt, weil ich mir wirklich Sorgen machte, ob ich mich da nicht etwas übernehmen würde. Denn ich bin schon 10 Kilometer gelaufen, wo ich hinterher total alle war. Ich konnte mir also kaum vorstellen, dass ich die 21km besser überstehen würde. Und dann ist da ja noch die Sache mit meinem Mitralklappenprolaps, aber darauf möchte ich jetzt nicht rumreiten. Ich möchte nur sagen, dass diese Tatsache mir Sorgen machte. 
Ich weiß nicht woran es lag, aber ich bin die 21 km durchgelaufen. Ich bin lediglich an drei Versorgungsständen kurz angehalten, damit ich ordentlich was trinken konnte, ich kann einfach nicht während des Laufens trinken. Meine Wunschzielzeit lag zwischen 2:00 und 2:15 h. Unter 2 Stunden habe ich mir aber insgeheim gewünscht, denn ich wusste, dass ich es rein theoretisch schaffen könnte. Deswegen habe ich mich dann einfach mal dem 2h-Pacer angeschlossen und auf das Beste gehofft. Die ganze Zeit hatte ich im Hinterkopf, das sobald mein Herz mucken machen sollte, ich sofort aufhören werde. Aber es kam nix. Auch der Mann mit dem Hammer kam nicht. Ein Glück. Aber ich muss sagen, die letzten drei Kilometer zogen sich ganz schön und durch die musste ich mich durchkämpfen.
Aber es hat sich gelohnt. Mit einem Sprint über die Ziellinie kam ich dann nach 1:57:55 an. Hinter dem Ziel hat mich dann ein schweißgebadeter Mann freundlich beglückwünscht und in den schweißnassen Arm genommen o_O und dann hätte ich auch noch beinahe vergessen mir eine Medaille mitzunehmen :D Mit meiner erlaufenen Zeit bin ich auf dem sagenhaften 165. Platz der weiblichen Teilnehmer gekommen und immerhin 21. in meiner Altersklasse Seniorinnen W35. Es gab übrigens 554 Teilnehmerinnen und 1455 Teilnehmer. Der schnellste Mann brauchte nur 1:12:28 und die schnellste Frau 1:24:28. 1:12:28 für 21 Kilometer, das muss man sich mal vorstellen. Das sind 3:26 pro Kilometer. Zum Vergleich ich bin pro Kilometer 5:35 gelaufen. Als ich damals anfing zu laufen, war mein Ziel 10 km unter einer Stunde zu laufen. Hab ich geschafft ;-) Jetzt hab ich sogar 21 km unter 2 Stunden geschafft. Ich brauche neue Ziele an denen ich arbeiten kann. Schön wäre z.B. 10 km in 50 Minuten oder auch 5 km in unter 25 Minuten. Mal sehen, was alles noch möglich ist. Heute habe ich jedenfalls wahnsinnigen Muskelkater in den Oberschenkeln. Ich kann kaum die Treppen runter gehen oder mich hinsetzen. Aber ich stehe ja auch ein bisschen auf Muskelkater ;-) Und nach ein paar Tagen ist der auch wieder weg. Und dann gehts wieder los.
Vor einem Jahr entsagte ich dem Rauch und begann zu laufen. Wer hätte gedacht, dass ich ein Jahr später den Halbmarathon finishe :-)













Dienstag, 26. Juli 2016

Generation "Smombie"


Einem Gefängnis gleich, mein Herz sich windet,
jammert, heult, und trägt sein Leid,
leise in Verschwiegenheit.

Sei still, sei still, du dummes Ding,
kein Wort hat je an Klang gewonnen,
sich verstrickt und neu gesponnen.

Düster ist die Welt trotz all des Lichts,
und meine Hände greifen,
immer nur in bitt'res Nichts.




"Ihr seid voll die Smombies", so beschwert sich manchmal unsere große Tochter, wenn wir wieder mal unsere Augen und Finger nicht von unseren Handy lassen können. Ich lachte immer darüber. Auch wenn sich andere beschwerten, dass man wieder die ganze Zeit mit seinem Handy beschäftigt sei, winkte ich nur ab. So ist das halt heutzutage. Die Zeiten ändern sich. Der Mensch hat viele Fragen und mein Handy kann sie mir alle beantworten. Oder? 
Natürlich ist es ungemein praktisch immer und überall Zugriff auf das World Wide Web zu haben. Schon oft wollte ich spontan eine Adresse wissen oder jemandem ein Bild von etwas, dass man gerade entdeckt hatte, schicken. Oder man diskutierte gerade und ist sich einer Sache sehr uneinig und googelt mal schnell, um zu sehen, wer denn nun Recht hat. Alles gut und schön. Und all das würde im Idealfall auch gar nicht so lange dauern. Doch in Wirklichkeit hängen wir ständig vor unseren Handys. Schuld sind vor allem diese sozialen Netzwerke. Es gibt ein paar wenige Ausnahmen, die vielleicht nicht süchtig sind, doch die meisten sind es leider schon. Ständig muss man schauen, was der andere denn gepostet hat. Was gibt es Neues? Welche Bilder sind neu? Lustige Videos. Schockierende Videos. Bilder die die Weisheit mit Löffeln gefressen haben. Verwirrende Statusmeldungen. Nonsens. Zumindest sehr viel davon.
Ich will das jetzt nicht verteufeln, denn im Grunde ist es doch eine schöne Sache von seinen Freunden zu lesen. Ich lese und sehe gern die Neuigkeiten meiner Freunde. Aber viel lieber würde ich sie gerne in Echt und in Farbe sehen. Würde einen Kaffee oder auch mal ein Bier mit ihnen trinken. Die Wahrheit ist, ich sehe meine Freunde viel zu selten. Zum einen liegt es natürlich daran, dass die meisten berufstätig sind oder Kinder haben. Viele wohnen aber auch einfach zu weit weg, um sich mal eben so zu treffen. 
Ich würde mich echt freuen, meine Freunde öfter treffen zu können. Nun, jedenfalls ist es aus eben diesen Gründen schon ganz schön, zumindest von ihnen zu lesen. Oder?
Schon oft überlegte ich, mich von all diesen sozialen Netzwerken zu befreien. Im Grunde rauben sie mir nur meine Zeit. Klar ist es ganz schön Feedback über den geposteten Lauf o.ä. zu erhalten. Aber ist das wichtig? Feedback erhalte ich auch von Menschen, die mir tatsächlich begegnen. Anders, aber viel wertvoller.
Ja, ich bin ziemlich hin und her gerissen. Ich frage mich halt, wie sich mein Leben verändern würde, wenn ich auf FB, Instagram und Co verzichten würde. Welche Freunde bleiben? Ich habe angst einsam zu sein und merke dabei gar nicht, dass ich es eigentlich schon bin. Natürlich habe ich viele Leute im www getroffen und auch ein wenig kennengelernt. Viele tolle Leute. Aber eben nicht um die Ecke. 
Eigentlich schreibe ich dieses hier jetzt nur, weil ich gestern beim Laufen um den See so ein einschneidendes Erlebnis hatte. Bei uns am See tummeln sich bei schönem Wetter immer sehr viele Menschen. Und als ich an der belebten Ecke vorbei lief, hätte ich beinahe angehalten, um mir die Leute einmal genauer anzuschauen. Es war wirklich gruselig. Da saßen überall Leute herum oder spazierten gemütlich umher. Alles ok, doch das Schlimme, nahezu jeder, ich tippe auf 90 - 95% der Leute hielt sich sein Handy vor die Nase. Beim gemeinsamen rumsitzen und spazieren gehen. Ich empfand diese Tatsache als sehr beunruhigend. Und sagte mir gleich, dass ich das bei mir ändern möchte. Ich möchte kein "Smombie" mehr sein. Wieso können wir uns nicht mehr vollste Aufmerksamkeit schenken. Den anderen sehen. Ihn so richtig sehen. Und nicht nur durch ein Handy. 
Natürlich sehe und erlebe ich viel beim Laufen. Aber auch sonst möchte ich einfach mehr von der Welt sehen. So ich Echt und Farbe und zum Riechen und Fühlen. Ich will die Welt mit allen Sinnen wieder erleben und nicht über einen kleinen Bildschirm entdecken.
Ich finde, es sollte nicht normal werden, dass man mit seinem Handy vor der Nase herumläuft. Kann doch nicht sein, dass wir glücklich sind als "Smombies"?










Freitag, 15. Juli 2016

Tagebuch einer Mutter - Frau sein

Mutter zu sein ist etwas sehr weibliches. Gibt es etwas weiblicheres als Mutter eines Babys zu sein, welches man an seinen Brüsten in den Schlaf singt? 
Ja, gibt es. Und das merkt man spätestens dann, wenn das kleine unschuldige, süße (ich könnt dich fressen) Baby, gar nicht mehr so Baby ist, sondern mittlerweile zu einem kleinen pöbelnden Diktator herangewachsen ist, der ständig etwas von dir will. Ständig. Ja, ständig. Also quasi immer. Und in der Regel ist man auch nicht schnell genug, um die Bedürfnisse des Alleinherrschers zu befriedigen. Dann wird in der Regel lauthals Unmut geäußert. Und das prompt und ohne Vorwarnung. Dein Kind gibt also Töne von sich, die sich direkt in deinen präfrontalen Cortex brennen. Das wars. Alle bisherigen Aktivitäten/Gedanken müssen augenblicklich eingestellt werden. Nicht mehr Herr der eigenen Bedürfnisse, müssen wir also dafür sorgen, dass die kleine Sirene da unten aufhört. 
Das Ärgerliche daran ist, dass man sich oft nicht um lebensnotwendige Dinge kümmern muss, nein, der Diktatorzwerg ist bereits bei kurzem Nichtbeachten äußerst ungehalten und wird nicht eher Halt machen, bevor du ihm nicht vollste Aufmerksamkeit schenkst.
Mittlerweile habe ich sogar den Eindruck, mein Kind weint und quengelt mit seinen fünf Jahren mehr als doppelt so viel, als noch im Babyalter. Das Schlimme ist, ich kann ihr jetzt keine Brust mehr anbieten. Ich kann es wahlweise mit Schokolade oder fernsehen versuchen und ja, oh Schande, ich habe es sogar schon getan. Ich bin schwach. Ich gebe es zu. Ich bin schwach und zeitweise egoistisch, denn ich will meine Bedürfnisse auch mal wieder befriedigen. Ich möchte wieder mehr Frau sein. Eine selbstbewusste, unabhängige Frau. Der Diktator lässt mich nicht. Immerhin weiß ich, wie ich ihn bestechen kann. Das gibt mir, bis das liebe Kind dann doch mal etwas selbstständiger geworden ist, etwas Freiheit zurück. Danke Schokolade. Danke (beklopptes) Fernsehprogramm. 
Lange wollte ich noch ein drittes Kind. Mittlerweile laufe ich diesem Gedanken schreiend davon und wenn ich dann doch mal mit dümmlichem Grinsen an süße, kleine Babys denke, dann knallt mir die Frau in mir links und rechts saftig eine ins Gesicht und schreit "Komm' zu dir!" 
Ja doch, irgendwann ist auch mal gut. Die Große ist mittlerweile ein zeitweise liebevoll, bekloppter Teenie geworden und fordert so auf ihre ganz persönlich pubertierende Art unsere Aufmerksamkeit ein. Es ist nahezu sinnlos, von einem Teeniegehirn Vernunft zu erwarten. Oder Verständnis. Teeniegehirne sind wegen Umbau bis auf Weiteres geschlossen. Aber ich muss mein großes Mädchen in Schutz nehmen, bisher hielten sich Pubertätseskapaden in Grenzen. (Drei mal kräftig auf Holz klopft) 
Nun, hat man seine Kinder erst einmal aus dem Gröbsten raus und sie würden sich nicht direkt umbringen, ließe man sie allein mit sich selbst, dann, ja dann erwacht allmählich die Frau in der Mutter. Also bei mit erwacht diese Frau seit ca. drei Jahren immer mal wieder, fällt aber leider oft unerwartet wieder ins Koma.
Nun ja, die Wahrheit ist, bist du erstmal Mutter, bist und bleibst du immer Mutter. Immer. So siehts aus. Viele Frauen sagen dann sowas wie: " Es ist das Schönste was mir passieren konnte, etc..." Ja und Nein. Kinder sind schon irgendwie ganz toll (wenn man Glück hat). Man kann viel Wundervolles erleben, weitergeben und wiederfinden. Doch manchmal denkt man auch mit voller Sehnsucht an die Zeit vor den Kindern zurück. Aber damals war ich auch nicht glücklicher. Ganz im Gegenteil. Ich muss zwar heute auf gewisse Dinge verzichten, mein Leben wurde aber im gleichen Zuge neu gefüllt. Gefüllt mit Dingen, die mir vorher nicht bewusst waren. Die Liebe zu den eigenen Kindern, die Freude sie wachsen und sich entwickeln zu sehen. Mutter sein, Verantwortung für einen anderen Menschen zu übernehmen, damit man ihn später hinaus in die Welt entlassen kann, das ist eine der tiefsten und bedeutendsten Erfahrungen die ich je gemacht habe. Und ich liebe und verfluche meine Kinder. Ja, ich wünsche sie manchmal zum Teufel. Dann wenn sie mich in meiner persönlichen Entfaltung stören. Mich stören, wenn ich müde bin und sie einfach wollen, dass ich ihnen jetzt noch die Elfengeschichte vorlese, damit sie besser einschlafen können. Das gehört dazu. Als Eltern gibt man mehr, als das man vielleicht zurückbekommt. Ich finde jedoch, dass die Liebe und das Vertrauen, welches mir meine Kinder entgegen bringen, mich gerne auf meine persönlichen Bedürfnisse verzichten lassen. Ganz wirklich wahr. Aber natürlich nicht immer. Ich besitze da eine gesunde Portion Egoismus. 

Nun versuche ich also die Frau in mir wieder zu beleben. Es kann vorkommen, dass man diese nahezu vergisst, vor allem wenn man rund um die Uhr mit diesem "Mutter-sein" beschäftigt ist. Ich habe zwei Kinder. Zwei liebreizende Mädchen, die fast einwandfrei funktionieren. Nein, also ich kann wirklich nicht klagen. Meine große Tochter hat zwar hin und wieder ihre Teenie-Schübe, aber darüber hinaus, kann ich wirklich stolz auf mein großes Mädchen sein. Und die Kleine überrascht uns alle immer wieder mit irgendwelchem Klamauk. Selten ein kleines Kind als so lustig empfunden. Nun wird es aber langsam wieder Zeit sich wieder etwas mehr Zeit für sich selbst zu nehmen. Das hört sich jetzt ein wenig so an, als würde man mit Kindern kaum Zeit für sich selbst haben. Nun bei manchen Eltern kann das durchaus stimmen. Bei vielen ist es aber wohl eher ausgeglichen. So wie bei mir. Dennoch ist man in den ersten Jahren etwas weniger auf sich bedacht. Was von der Natur gewollt und so auch völlig in Ordnung ist. Aber irgendwann ist ja auch mal gut. Ich gehöre definitiv zu den egoistischen Müttern, die ihre Kinder mal gerne, und auch mal länger, an die Großeltern verkauft oder die ihre Kinder bloß zu Kindergeburtstagen hinbringt, um dann schnell wieder zu verschwinden. In der Regel dauert so ein Kindergeburtstag ja auch nicht lange, da muss man sich sputen. Ich lache über all die Über-Eltern, die sich selbst ganz nach hinten stellen. Meine Kinder müssen schließlich auch lernen, dass sie sich mal hinten anstellen müssen.
Erziehung ist nicht leicht und heutzutage kann man so ziemlich alles falsch machen, was man versucht. Man scheint nie gut genug zu sein. Denn immer gibt es doch tatsächlich jemanden, der es besser weiß als du. Da kommt man doch total durcheinander. Aber inmitten der ganzen Verwirrung, ist es schließlich nur wichtig, dass wir keine Arschlöcher erziehen. Von Arschloch-Eltern will ich jetzt aber nicht anfangen, da kann man den Kleinen nur die Daumen drücken. 
Und in all diesen Gedanken steckt die Tatsache, dass ich erst durch die Mutterschaft zu einer richtigen Frau geworden bin. Ich wurde zu der Frau, die ich heute bin. Ich will damit nicht sagen, dass Frauen, die keine Mütter sind, keine richtigen Frauen sind. Quatsch! Ich kann Frauen verstehen, wenn sie sich gegen ein Kind entscheiden. Da bin ich ganz bei Ihnen. Aber dieses Mutter-sein ist schon eine ziemlich krasse Lebenserfahrungssache.

Letztendlich ist es aber jedem selbst überlassen, wie, wo und mit wem er seinen Lebensweg entlang geht. Ich wünsche allen jedenfalls eine aufregende (Lebens)Reise.












Dienstag, 10. Mai 2016

Warum ich laufe?!

Wie fange ich an? Alles in meinem Leben passte einfach nicht zusammen. Ich wollte so gerne wieder fit und schlank sein, doch stattdessen rauchte ich, ärgerte mich mit wenig essen, was dann wiederum in Fressattacken endete und anstatt vor die Tür zu gehen, widmete ich meine Zeit gerne der Playsation. Es musste sich endlich mal was ändern. Nicht immer nur rumheulen, träumen, hoffen und erneut auf die Schnauze fallen. Endlich mal den Arsch zusammen kneifen und tun was man sich vorgenommen hat. So oft. Immer und immer wieder.
Ich war und bin schon immer ein aktiver Mensch gewesen. Ich liebe es, mich zu bewegen. Erst wenn ich erschöpft bin, bin ich glücklich. Viele, viele Jahre habe ich sportlich fast nichts gemacht. In der Schule hatte ich in Sport immer eine Eins. Ich war das zweitschnellste Mädchen an der Schule. Ich lief die 100m in 13,5 sec. Ich schlug meinen Sportleherer in 50m Brustschwimmen. Und immer hatte ich Ehrenurkunden bei den Bundesjugendspielen. Sport fiel mir leicht. Und heute frage ich mich manchmal, warum ich aus diesem Talent nichts gemacht habe? Mit richtigem Training hätte ich wohl ganz gute Resultate erzielen können. Vorbei.
Nun also war das Rauchen ein großes Laster, welches ich wirklich nur sehr schwer aufgeben konnte und ich verfluche den Tag, an dem ich süchtig wurde. Egal. Es ist, wie es ist. Aber seit knapp 8 Monaten bin ich jetzt endlich wieder Nichtraucher. Die akute schlimme Entzugsphase habe ich überstanden. Gut überstanden!! Keine bescheuerten Ersatzbefriedigungen/Ablenkungen. Keine Fressattacken und keine Flucht in den Alkohol. Stattdessen habe ich mich in einem Fitnessstudio angemeldet. Dadurch, dass ich jetzt nicht mehr rauchte, hatte ich das Geld locker über.
Anfangs war ich beinahe täglich im Fitnessstudio. Ich konnte nicht genug bekommen und außerdem musste ich mich ja auch ablenken und einen guten Grund haben, nicht mehr zu rauchen, Obwohl es davon ja eigentlich reichlich gibt.
Mittlerweile kann ich mich zügeln was sportliche Aktivitäten angeht, denn ich musste einsehen, dass sich der Körper dann doch zwischendurch mal erholen muss. Nun gehe nur noch 1-2 mal die Woche ins Fitnessstudio und versuche darüberhinaus noch ca. 2-3 mal wöchentlich laufen zu gehen. Jetzt im Sommer werde ich auch noch mehr auf meinem Rennrad unterwegs sein. Sport ist meine neue Droge. Ich überlege sogar, ob ich nicht für einen Triathlon trainieren soll. Nur die Sprintdisziplin vorerst. Nun, mir hat dieses exzessive Sport treiben sehr gut geholfen meine Nikotinabhängigkeit in den Griff zu bekommen. Ich habe viel zu lange geraucht und die Angst ist groß, dass doch mittlerweile irgendwelche irreparablen Schäden vorhanden sind.
Sport ist Therapie für mich. Mir hilft Sport bei vielen Problemen. Sport hat einfach so viele Vorteile, wie z.B.
  • dass ich wirklich keine Art von Diät machen muss. Eine große Angst war, dass ich nach dem Rauchstopp auseinander gehe. Doch jetzt kann ich immer essen und auch viel, mein Körper verlangt richtig nach Essen.
  • mein Körper ist fit und fühlt sich stark an.
  • ich fühle mich glücklich und ausgeglichen wie schon lange nicht mehr
  • ich halte mich viel mehr draußen in der Natur auf und genieße jede Draußen-Aktivität
  • ich rauche nicht mehr und trinke wenig Alkohol
Wer hätte gedacht, dass ich jemals freiwillig einen Halbmarathon laufen werde? Ich fand laufen immer ganz furchtbar. Man war nach kürzester Zeit schon total erschöpft, man zählte jeden Meter. Jeder Meter Quälerei. Laufen war einfach ätzend. Etwas was ich damals nur tat, um Kalorien zu verbrennen. Und heute? Kalorien sind in den Hintergrund getreten. Mich interessieren jetzt eher Strecke und Pace.Total irre. Ich hätte das von mir nicht gedacht. Ich würde am liebsten ständig über das Laufen reden und fachsimpeln. Ich besitze bereits vier Paar Laufschuhe und Sportklamotten für alle Wetterbedingungen. Und doch stehe ich erst am Anfang meiner "Laufkarriere". Laufe ich doch noch nicht einmal ein ganzes Jahr. Früher habe ich immer nicht schlecht gestaunt, wenn Leute erzählten, dass sie 10-15 km laufen würden. Heute sind mir 10 km manchmal zu wenig^^

Was ist mein Ziel? Der Weg ist das Ziel. DAS Ziel habe ich nicht. Ich möchte einfach immer laufen können. Wenn ich mich zwischendurch verbessere. Gut. Ist aber keine Anforderung an mich. Einfach weiter laufen. Weiter laufen und Spaß dabei haben. Mehr wünsche ich mir nicht. 






Dienstag, 26. April 2016

Verlangen! (eine kurze Kurzgeschichte)

"Abend ward's und wurde Morgen, nimmer, nimmer stand ich still; aber immer blieb's verborgen, was ich suche, was ich will." F. Schiller

Ich laufe durch dunkle Gänge. Wieso bin ich hier? Ich begreife nicht, dass ich tatsächlich hier sein soll. Hier in der Dunkelheit. Träume ich? Nein, es ist kein Traum. Der Boden auf dem ich laufe, fühlt sich kalt und staubig unter meinen nackten Füßen an, ich spüre ihn ganz deutlich. Seine Kälte zieht durch meinen Körper mitten in mein Herz und schnürt mir schließlich die Kehle zu.
Warum bin ich hier? Niemals, das weiß ich, würde ich mich in solch eine Situation begeben. Niemals. Und doch laufe ich gerade durch diese dunklen, unbekannten Gänge und bin von einer ebenso dunklen Sehnsucht getrieben. Was ist das für eine Sehnsucht, die mich durch diese Dunkelheit treibt, die mich trotz meiner Ängste immer weiter und weiter laufen lässt? Nicht mehr Herr meiner Sinne, tragen mich meine Füße weiter voran. Patsch-patsch-patsch hallt es von den Wänden wider. Es ist so still hier unten. Ich höre meinen Atem laut, die fremde Stille durchbrechen. Ich laufe und laufe und suche nach ihm.
Vor ziemlich genau einer Woche war meine Welt noch in Ordnung. Alles lief wie gewohnt. Alles war ruhig. Ich war ruhig. Oder war ich es vielleicht doch nicht? Habe ich mir vielleicht jahrelang nur eingeredet, dass ich das was ich lebe auch will? Das ich das, was ich lebe auch bin? Wenn ich nun nicht bin, was ich glaube zu sein, wer bin ich dann? Eine ruhige Frau mit Plänen für die Zukunft? Eine Frau, die Gewohnheiten mochte, welche ihr diese beruhigende Sicherheit vermittelte? Endlich, so dachte ich, lebe ich ein Leben, so wie es sein sollte. Geordnet, ruhig. Durchgeplant. Vorhersehbar. Und dann traf ich ihn. Er war einfach da. Stand da. Sagte nichts. Schaute bloß. Sein Blick durchbohrte mich, drang gnadenlos in mich ein. Erfasste direkt mein so ruhiges Herz und brachte es zu Fall. Und es fiel unendlich tief. Und dann war sie weg, meine hart erkämpfte Ruhe. Mein Frieden. Meine Ordnung. Ohne jedes Wort nahm er mich gefangen und ließ mich in seiner Unnahbarkeit leiden. Seit diesem Moment ist mein Blick verändert. Er hat alles in meiner funktionierenden Welt mit einem Blick und seiner Anwesenheit von jetzt auf gleich verändert und zunichte gemacht. Ich konnte kaum einen klaren Gedanken fassen. Was zur Hölle war passiert? Ich wollte zurück in mein Leben. Ich wollte meinen Frieden wieder. Doch ist die Seele erst einmal an den Ufern unbekannter Sehnsucht gestrandet, wie soll sie da noch ruhig über die Wogen des Altbekannten dahingleiten? Das Verlangen wurde unerbittlich. Die Sehnsucht wurde zu körperlichem Schmerz. Plötzlich dachte ich an Dinge, die mir fremd waren. Ich dachte an Dinge die meinen Körper beben und ihn qualvoll in seiner ungestillten Lust leiden ließen. Wie konnte ein einziger Augenblick alles verändern? Etwas so solides und starkes wie mich und meine Welt derart erschüttern? Ich wurde blind für jegliche Vernunft. Vernunft existierte, wenn überhaupt, nur noch als kleiner Fleck, abseits meines Blickfeldes. Und sie verschwand immer mehr. Sehnsucht setzte mir ihre Scheuklappen auf. Verlangen trieb mich mit unerbittlicher Peitsche an.
Jetzt bin ich hier. Ich war ihm gefolgt als er gehetzt durch die Straßen lief. Wohin ging er? Ich musste es wissen.. Ich konnte nicht noch weitere Tage in dieser Qual überstehen. Ich muss ihm noch einmal in die Augen schauen, seinen Blick auf mich gerichtet wissen. Ja, ich wollte ihn. Ich wollte schon lange nichts mehr so sehr wie ihn. Mein Herz und meinen Verstand nahm er in nur einen Augenblick für sich ein. Und ich wollte, dass er alles von mir in Besitz nahm. Nichts konnte mich jemals wieder zurück zu mir bringen. Ich bin nicht mehr ich. Ich wurde neu geboren und war bereit mich ihm zu unterwerfen.
Gerade noch konnte ich erkennen, wie er im nahe gelegenen Wald durch eine Metalltür im Boden verschwand. Der Wunsch, ihn hier unten zu finden, nimmt mir meine Angst.Also öffne ich die schwere Metalltür und schlüpfe durch das Loch in der Erde. Es ist dunkel um mich herum. Ich kann kaum die Hand vor Augen sehen. Einen Moment lang bleibe ich stehen und lausche in die dunkle Unendlichkeit. Die Furcht vor dieser Dunkelheit, in der ich mich zu verlieren scheine, ist nicht so groß, wie die Furcht davor, ihm niemals richtig begegnet zu sein. Die Dunkelheit, ja, sie greift nach mir, zieht mich zu sich und treibt mich schließlich voran. Näher zu ihm. Zu ihm. Ihm.
So viele Abzweigungen und Türen die ungeahntes verbargen. Türen, die ich mich kaum zu öffnen traute. Das Ungewisse macht mir angst. Das Ungewisse macht mir angst und lässt mich doch gleichzeitig freudig erzittern. Deshalb bin ich hier und suche nach ihm. Weil der Gedanke an ihn meinen Verstand ausschaltet, meinen Mund trocken werden lässt, mein Herz zum klopfen bringt und mich wollüstig aufstöhnen lässt. Deshalb bin ich hier. Weil er mir das Leben in seiner intensivsten Form wiedergegeben hat. Deshalb laufe ich ihm still und heimlich mitten in der Nacht hinterher. Barfuß. Meine Begierde war unendlich. Wer war er? Wieso machte er das mit mir? Ich musste es heraus finden. Jetzt.

Dort hinten ist etwas. Ich eile auf das schwache Licht zu. Als ich um die Ecke biege, ist dort eine kleine Tür. Ungefähr ein Viertel der Größe einer normalen Tür. Sie steht etwas offen und neugierig bücke ich mich, um in den Raum hineinzuschauen. Es führt eine Treppe hinab und unten brennt Licht. Graue nichtssagende Steinwände. Nackt und trist. Ein Handlauf aus Metall, welches seinen Glanz verloren hat, bietet sicheres Geleit hinunter. Dann sehe ich ihn. Ich kann mich nicht rühren. Angewurzelt, wie versteinert verharre ich und schaue, kniend auf allen Vieren, hinunter zu diesem Mann, der eigentlich etwas so abscheuliches tat, dass ich auf der Stelle aufstehen und fliehen sollte. Doch ich bleibe. Bleibe bei ihm. In der Dunkelheit, der Stille und dem schrecklichsten Akt, den man sich vorstellen kann.
Eine dunkelhaarige Frau, die an den Haaren von ihm weiter in den Raum nach hinten über den kalten, grauen Steinboden gezogen wird. Sie lebt, denn sie windet sich etwas. Gibt aber nicht einen Laut von sich. Ihre Augenlider flattern. Sie will in ihre ganz eigene Dunkelheit fallen. Sie ist zu schwach, um sich jetzt noch zu wehren.
Er blickt zu mir hoch. Durchdringt mich. Kurz überlege ich, ob ich ihm meine Hilfe anbieten soll. Egal was, ich wollte alles mit ihm teilen. Doch dann greift er zu einem schweren großen Gegenstand. Er drückt diesen ganz langsam mit bedacht in das Gesicht der Frau. Er drückt mit abscheulicher Kraft. Blut beginnt zu fließen, denn er zerdrückt ihr die Augen, drückt ihr die schön geschwungene Nase kaputt, zerstört die wohlgeformten Wangenknochen. Dann steckt er das eine Ende dieses Gegenstandes in ihren Mund und drückt ihn gegen ihren Kiefer. Er öffnet diesen und reißt den Kiefer schließlich von ihrem Gesicht. Ich kann kaum glauben, was ich sehe. Dieser Mann hat ihr das verdammte Gesicht genommen. Er hat es brutal und in aller Ruhe zerstört. Ich spüre Ekel in mir aufsteigen. Doch auch jetzt kann ich nur an ihn denken. Er blickt zu mir hoch. In seinem Blick kann ich kurz Schmerz und Trauer erkennen. Doch noch bevor ich darüber nachdenken kann, funkeln mich seine Augen wild an. Ich bebe. Und sehne mich immer noch danach mich in seinen Armen zu verlieren. Hier. Jetzt. Hier, wo er ein Leben genommen hat, möchte ich, dass er mir ein neues gibt. Blut, überall ist Blut. Dunkles, noch warmes Blut, welches mir keine Angst macht, sondern mich zu ihm zieht. Rot.
Endlich bewege ich mich und löse mich aus meiner Starre. Ich möchte zu ihm. Als ich mich durch die viel zu kleine Tür gequetscht habe, ist er nicht mehr da. Ich laufe die Stufen hinunter und plötzlich steht ein in dreckigen Lumpen gehüllter Mann vor mir. Sein Gesicht ist ebenso von Lumpen verdeckt. Ich kann nicht erkennen, wer er ist. Er hält mir eine Pistole entgegen. Ich bleibe stehen, erschrecke und lasse mich, in der Gewissheit jetzt zu sterben, zu Boden fallen. Ich falle in ihr Blut. So warm ist es jetzt gar nicht mehr. Das Blut dringt kühl durch meine Kleider und lässt mich nun klarer denken. Ich warte auf das Ende. Doch kein Schuss fällt. Vorsichtig blicke ich auf. Todesangst macht sich in mir breit, breitet sich wie ein fauliges Geschwür in meinem Kopf aus. Der Mann zeigt nach oben. Irritiert und erleichtert raffe ich mich auf und versuche so schnell wie möglich die Stufen hinauf zu kommen. Dann laufe ich. Drehe mich nicht um. Nur von einem Gedanken getrieben, laufe ich meiner Freiheit entgegen. Nach einer Ewigkeit stemme ich mich gegen die Metalltür und atme die befreiende kalte, feuchte Nachtluft.
Jetzt laufe ich nicht mehr. Ich gehe ruhig und beherrscht nach Hause. War ich doch kurz davor mein Herz zu verlieren. Töricht, oder nicht?

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Die obere kleine Geschichte basiert übrigens auf einen von mir geträumten Traum. Schon ein bisschen schräg. Im Traum war das Gefühl des Verlangens, was alles andere in den Hintergrund rücken lässt, nicht so ausgeprägt, sollte aber in dieser Geschichte eine tragende Rolle haben. Ich hoffe natürlich ein wenig, dass ich beim Leser dieses Gefühl transportieren konnte.

Dienstag, 8. März 2016

Nichtraucher 3.0 seit einem halben Jahr

Am 17. März sind es genau 6 Monate, dass ich mich (erneut) dazu entschlossen habe nicht mehr zu rauchen. Eine gute Zeit, um einmal zu berichten wie es mir geht und was sich getan hat.

Sechs Monate sind vergangen, in denen ich nicht Sklave des blauen Dunstes war. Sechs Monate in denen ich nicht ekelhaft nach kaltem Rauch gestunken habe, in denen ich ständig gucken musste, wo und wann ich die Nächste rauchen kann. Kein "Ich brauche noch Kippen!, oder "Habe ich meine Kippen dabei?" Kein Frieren in der Kälte, keine zugequalmten Räume. Ich bin frei! Und bis jetzt vermisse ich es zu 99% nicht. Es gibt wenige sehnsüchtige Augenblicke, wo mir eine Zigarette gefallen würde, doch ich erinnere mich dann an das letzte Gefühl das ich als Raucher hatte und zack ist die Lust darauf dahin. Und doch sage ich immer noch, dass ich gerne geraucht habe und es auch oft genossen habe. Rauchen entspannt so schön. Habe ich mir zumindest eingeredet. Rückblickend war es gar nicht so entspannend. Dieser ständige Gedanke an die Kippe und Zwang rauchen zu müssen. Es war nur entspannend, weil man diesem Zwang nachgeben konnte.
Ich habe jetzt zum dritten Mal ernsthaft mit dem Rauchen aufgehört und natürlich hoffe ich, dass ich niemals mehr wieder zu dieser schlechten Angewohnheit zurückkehren werde. Das ist manchmal hart, denn einmal Raucher immer Raucher. Man ist immer mal wieder gefährdet. Man hört immer wieder von Leuten, dass sie nach zig Jahren doch wieder zur Zigarette griffen. Irgendwie schrecklich und man möchte eigentlich direkt den Kopf in den Sand stecken, oder? Warum sich die ganze Mühe machen? Warum sich quälen und einen Entzug durchmachen, wenn man doch ständig Gefahr läuft rückfällig zu werden? Warum? Weil einfach alles besser ist, als stumpf weiter zu rauchen. Man kann sein Geld wesentlich sinnvoller investieren. Ich stecke mittlerweile sehr viel Geld in mein neues, lieb gewonnenes Hobby: Laufen! Und ich wette viele würden jetzt schreien, dass Laufen auch nicht unbedingt gesund ist, die Knie kaputt macht o.ä. Und in der Tat kann Laufen einen ganz schön kaputt machen, wenn man keine Ahnung hat und diesen Sport mal gnadenlos unterschätzt. Es ist eben nicht einfach die Laufschuhe schnüren und ab nach draußen. Ich wünschte, ich hätte das nicht so schmerzlich erfahren müssen. Ich habe das Laufen unterschätzt und mich gnadenlos übernommen. Die ersten Wochen liefen großartig und ich freute mich über meine Erfolge, doch schon bald kam der erste Dämpfer. Quadrizepssehnenentzündung. Wenn sich Sehnen entzünden, kann das auch ganz schnell was chronisches werden und man hat unter Umständen monatelang was davon. Nach kurzer Schnappatmung und einem nicht sehr hilfreichem Besuch bei meinem Orthopäden, behandelte ich mich selbst. Und das sehr akkurat. Ich hatte schließlich keine Lust auf so ne chronische Sache. Und tadaa nach zwei Wochen war sie weg!
Doch die Freude hielt nur kurz, denn nun habe ich mir (vermutlich) einen Nerv im Knie eingeklemmt, beschädigt, was auch immer. Es hält sich zumindest hartnäckig. Was ich damit sagen will, hätte ich klein angefangen und mich langsam gesteigert, hätte mein Körper die Chance gehabt mit der steigenden Belastung zu wachsen und so wie ich es gemacht habe, direkt 200% geben, hat mir das eher geschadet als das es mir gut tat. Ich habe meinen Ehrgeiz nun etwas gebremst und werde mich nun nur noch laaaaangsam steigern.

Zum Thema Erkältungen und Atmung: Das letzte Mal krank war ich kurz vor Weihnachten. Dieses Mal als NR habe ich die Erkältung aber wesentlich besser weggesteckt. Und seitdem kämpft mein Immunsystem fleißig gegen all die verrotzen Leute die mir so im Alltag und auf der Arbeit begegnen. Und auch generell ist meine Atmung besser geworden, allerdings huste ich ich immer noch kleine Mengen Teer ab. Ich merke dann wie sich ziemlich zäher Schleim seinen Weg nach draußen bahnt. Dieses Sekret muss ich wirklich mit viel Kraft abhusten und wenn ich es auf ein weißes Taschentuch spucke, kann man darin kleine dunkle Punkte von Teer entdecken. E - kel - haft!!!
Auch so ein Punkt, der mich motiviert, nie, nie wieder zu rauchen. Als ich das letzte Mal NR war, war ich so gut wie nie erkältet, hatte Schnupfen oder Husten. Ist doch schon erstaunlich.
Und noch was, es ist mir auch völlig egal, ob ich nun so ein bescheuerter, nerviger NR bin (werde). Werdet glücklich in eurer blauen Dunstwolke, aber lasst mich da raus!

Manchmal bringt eine krasse Veränderung auch gleich noch die nächsten mit sich, als wenn es dann einfach nicht reichen würde, einfach nur nicht zu rauchen.
Ich habe z.B. mit Sport, bzw. sehr viel Sport begonnen, das wiederum brachte mich dazu, meine Ernährung genauer zu beleuchten. Ganz nach dem Motto: Wenn, dann aber auch richtig! Ich wollte mit dem nicht rauchen gesünder sein. Ich lebte also gesünder, weil ich nicht rauchte, aber es fehlte was. Also Sport. Und wenn man doch schon so viel für sich tut, warum nicht auch noch mehr? Momentan befinde ich mich in einer Umbruchphase. Ich lese und informiere mich viel in Punkto Ernährung und möchte auch hier einen guten, gesunden Weg für mich finden. Wenn ich schon so viel guten Sport machen, dann sollte die Ernährung doch auch dazu passen. -  Aber wo bleibt da der Spaß?? Wenn man etwas nicht will und nicht dahinter steht, den Sinn und Nutzen nicht darin sieht, dann macht es natürlich keinen Spaß. Aber ich finde es voll super - ich bin unersättlich. Aber Stop - nein, ich bin kein Mutant und Verzicht ist auch nicht meine Supermutantenfähigkeit. Natürlich fällt mir das ein oder andere hin und wieder auch schwer. Zucker, Kaffee, Alkohol, Getreide. Zu viel Kaffee übersäuert den Körper, finde ich aber in Maßen in Form von 1-2 Kaffee am morgen noch vertretbar. Alkohol, Zucker und Getreide finde ich allerdings mittlerweile ganz böse. Und viele werden das belächeln und mich vielleicht sogar für bekloppt halten. aber das is mir wurscht. Ich wurde ja damals schon belächelt, als ich auf Fleisch verzichten wollte. Oh, das wird ein Spaß beim nächsten Familienessen. Man darf gespannt sein.
Dieses heißt nun aber auch nicht, dass ich nie wieder ein Stück Kuchen essen werde....wahrscheinlich. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass ich das auch einfach nicht mehr möchte. Das einzige Mehlprodukt, welches ich zur Zeit noch esse und mir erlaube, ist mein selbstgebackenes Brot. "Was ich mir erlaube" das klingt so nach Verzicht und Verlust. Das habe ich vielleicht in der Phase des Entzugs empfunden, doch hat man diesen überwunden, ist es eine Bereicherung das man "verzichtet". Denn ich glaube wirklich das mich Zucker und Getreide abhängig und krank machen (können). Wenn du das nicht glaubst, versuche mal eine Woche auf Zucker und Weißmehlprodukte zu verzichten ;-) An meinem ersten Tag ohne Zucker, bin ich fast bekloppt geworden.

Manchmal frage ich mich, wie ich das nur alles schaffe?! Hausfrau, Mutter, Ehefrau, der ganze Sport, der ganze Verzicht bei all dem Stress als Hausfrau und Mutter ;-) Früher habe ich bei jedem Anflug von Stress viel geraucht und Unmengen an Zucker in mich hineingestopft. Man muss diesen Teufelskreis durchbrechen. Natürlich macht Zucker glücklich, auch Getreide macht das. Aber es ist gleichzeitig auch schädlich für den Körper. Und vor allem macht es uns abhängig. Schluss damit!! Aber wie man sehen kann, geht alles, wenn man nur will. Der Wille versetzt Berge. Tschakka!
Auf der Arbeit werde ich immer auf eine harte Probe gestellt. Denn eigentlich stehen hier immer Kekse oder Kuchen auf dem Tisch. Und wenn man so gemütlich beisammen sitzt bei einem abendlichen Käffchen ist auch schnell mal ein Keks im Mund verschwunden. Das geht wie von selbst. Doch ab jetzt will ich stark sein. Ich will es zumindest versucht haben. Ob es mir was bringen wird - wir werden sehen.

Summa summarum hat mir das nicht rauchen dieses Mal noch viel mehr gebracht. Und ich fühle mich insgesamt auch stärker. Das Scheitern hat mich im nachhinein stärker gemacht.
Es ist jetzt auch nicht meine Absicht jemanden zum nicht rauchen, zu mehr Sport oder einer gesünderen Ernährung zu bewegen, aber anregen möchte ich. Denn wenn du (ein Raucher) mal ehrlich zu dir bist, was verlierst du, wenn du nicht mehr rauchst? Und was gewinnst du, wenn du nicht mehr rauchst? Mach ne Liste, wenn es dir helfen sollte.